Samstag 11. Oktober 2008
Nachdem Frank sich verabschiedet hatte begann das warten auf „le Cartharge“- unser Drive nach Afrika in Form einer gigantischen Fähre unter tunesischer Flagge.
Mit über 6 Stunden Zeit ausgestattet (die Fähre hatte sich auch noch um ca. 1 Stunde verspätet) gingen wir es gemütlich an, aßen und „äpplerten“ in Ruhe und unterhielten uns mit den zahlreichen Schaulustigen, die zu uns ans Fahrzeug kamen.
Fast jeder hat irgendwelche „Tips“ für uns – manchmal nützlich und hilfreich, manchmal aber auch „so unnötig wie ein Loch im Knie“!
Ein Verantwortlicher eines international bekannten Motorrad-Extremreiseveranstalters (nennen wir ihn einfach mal „Team Hinterlader“) z.B. versicherte uns glaubhaft, dass wir zur Ausreise aus Tunesien Visa-Bestätigungen aus Libyen benötigen würden, sonst hätten wir keine Chance, aus dem Land gelassen zu werden. Ferner wusste er besser als unser Veranstalter Medusa und alle Foren, dass die libysche Wüste seit dem 04. Oktober bereits wieder komplett geöffnet sein soll.
Der Hinweis ca. 30 Min vor Beladung der Fähre von einem sympatischen G-Klasse Fahrer hingegen, dass wir ja noch ein weiteres „Stempelsche“ der Passkontrolle des tunesischen Zolls auf einem gelben Formular benötigen war zutreffend – das teilt einem zwar offiziell niemand mit, die Warteschlange war relativ kurz und bald gefunden, der Stempel war praktisch nicht sichtbar (Tunesier nutzen keine Stempelkissen sondern „hauchen“ den Stempel nur an, was uns später noch öfter begegnen sollte) und bei der Abgabe des Formulars wurde davon keine weitere Notiz genommen aber wer weiß wozu es gut war.
Wir waren in diesem Moment jedenfalls fest davon überzeugt dass uns dieses unscheinbare „Stempelsche“ schlicht die nackte Haut und die gesamte Expedition gerettet hatte ;-)!
Als wir endlich um ca. 18:00 Uhr Erwin auf der Fähre hinter einem extrem ausgestatteten Humvee (mit angeblich weit über 1000 PS) geparkt hatten, bezogen wir unsere „Butze“ – stellten fest, dass wir dort einen weiteren Mitfahrer hatten und gönnten uns erst einmal in aller Ruhe ein Dutzend eiskalte Heinekens in der Bordbar auf dem Promenadendeck mit tollem Ausblick auf das Mittelmeer.
Der sich anschließende Hunger konnte mangels geöffneter Restaurants nur provisorisch mit einem letzten Stück Salami, zwei Toastbroten und notdürftig im Duty free shop erstandenen Süßigkeiten gestillt werden.
Unser Kabinennachbar, ein Schweizer Globetrotter, der bereits 48 afrikanische Länder bereist hatte, war dann noch beim Ausfüllen weiterer Formulare für Zoll und Polizei behilflich, die wir bis kurz vor Mitternacht an Bord in weiteren langen Schlangen und mit weiteren „wichtigen Stempelsche“ bearbeiten lassen mussten, um nach Afrika einreisen zu können.
Anschließend nutzen wir unsere klimatisierten Kabinen und horchten ausgiebig an der Matratze – die letzte Nacht auf europäischem Hoheitsgebiet für Erwin!
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